Woran erkennt der Laie guten Kaffee

Woran erkennt der Laie guten Kaffee? Das Interview aus der Rems-Murr-Zeitung

Große Ehre für unsere Kaffeerösterei: Röstmeister Christoph Schubert wurde in der Rems-Murr-Zeitung (ZVW) interviewt! Die zentrale Frage des Gesprächs mit Redaktionsmitglied Pia Eckstein lautete: Woran erkennt der Laie eigentlich guten Kaffee?

Als frisch von der Deutschen Röstergilde mit zehn Goldmedaillen ausgezeichneter Spitzenreiter des diesjährigen Verkostungswettbewerbs hat Christoph Schubert im Interview wertvolle Kriterien geteilt.

Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Zeitungsbericht, an denen sich auch Laien beim Kaffeekauf entlanghangeln können.


1. Der Geschmackstest: Warum Qualität sich bei kaltem Kaffee zeigt

Kaffee ist und bleibt Geschmackssache. Doch bei professionellen Verkostungen wird jeder Kaffee in drei Zuständen probiert: heiß, lauwarm und kalt.

Das wichtigste Qualitätsmerkmal für zu Hause lautet daher: Wenn der Kaffee abkühlt und trotzdem nicht bitter-sauer im hinteren Zungenbereich kleben bleibt, sondern nach wie vor gut schmeckt, dann ist das ein eindeutiges Zeichen für echte Qualität.


2. Der Blick aufs Etikett: Was verrät die Packung über die Herkunft?

95 Prozent der Kaffeequalität liegen bereits in der Rohbohne – der Röster selbst kann nur auf etwa 5 Prozent des Geschmacks Einfluss nehmen. Dass die allseits bekannten Kaffees aus dem Supermarktregal immer exakt gleich schmecken, liegt daran, dass Industriefirmen bis zu 30 verschiedene Ernten mischen, um Schwankungen auszugleichen. Genaue Infos stehen dort selten auf der Packung.

Ein Qualitätsmerkmal ist es hingegen, wenn das Etikett ganz genaue Angaben zur Herkunft, zur Farm, zur Aufbereitung und zur Anbauhöhe macht. Für die Qualität gilt: Je höher die Lage der Plantage, desto besser die Bohne. Ab einer Höhe von 1.000 Metern spricht man von guten klimatischen Einflüssen. Große Kaffeehersteller meiden diese Höhen oft, da dort keine maschinelle Ernte, sondern nur Handpflückung möglich ist.


3. Die Art der Röstung: 190 Grad Handwerk statt 600 Grad Industrie

Die Deutsche Röstergilde stellt strenge Bedingungen an ihre Mitglieder: Der Kaffee muss handwerklich im Trommelröster, bei niedrigen Temperaturen langsam geröstet und anschließend mit Luft gekühlt werden. Der Unterschied zur Industrie ist massiv:

  • Industrielle Röstung: Um riesige Materialmengen zu bewältigen, wird Kaffee in Industrieanlagen bei bis zu 600 Grad Celsius extrem schnell geröstet. Dabei entwickelt sich deutlich mehr Acrylamid in der Kaffeebohne. Zudem wird der heiße Kaffee danach oft mit Wasser abgekühlt. Die Bohne saugt sich voll, nimmt an Gewicht zu und wird so nach Gewicht verkauft.
  • Handwerkliche Röstung: Christoph Schubert röstet schonend bei maximal 190 Grad Celsius in einer Anlage für 45 Kilo. Das benötigt Zeit, schont aber die Bohne. Bei Explorer Coffee wird der Kaffee anschließend ausschließlich mit Luft gekühlt – ganz ohne Wasserzusatz.

4. Teure Trends: Was ist von „Katzenkaffee“ (Kopi Luwak) zu halten?

Im Interview kam auch die Sprache auf den extrem teuren Kopi Luwak – den Kaffee, dessen Bohnen den Verdauungstrakt von Zibetkatzen passieren. Einst eine Notlösung indonesischer Plantagenarbeiter, die keinen eigenen Kaffee ernten durften, ist es heute ein reines Luxusprodukt. Für die Produktion werden die Zibetkatzen in Farmen gehalten und ausschließlich mit Kaffeekirschen ernährt.

Das deutliche Urteil unseres Röstmeisters in der Zeitung dazu: „Völliger Schwachsinn.“ Der Geschmack rechtfertigt diese Qual der Tiere keineswegs.


Über den Gründer: Vom Verpackungsmaschinisten zum prämierten Röster

Christoph Schubert kam über Umwege zu seiner Berufung, die er heute als „eskaliertes Hobby“ bezeichnet. Ursprünglich war er weltweit für ein Waiblinger Unternehmen (heute Syntegon) unterwegs, das Verpackungsmaschinen für Kaffee herstellt. Das Interesse an dem, was letztendlich in den Verpackungen landet, wurde jedoch immer größer. Nach intensivem Wissensaustausch mit einem Wiener Professor widmete er sich ab 2004 ganz dem Kaffee. Heute gehört er der Deutschen Röstergilde an und zählt zu den renommiertesten Kaffeeröstern Deutschlands.

Den vollständigen Original-Artikel finden Sie online in den Archiven der ZVW Rems-Murr-Kreis.

Von Pia Eckstein

Quelle: Veröffentlicht am 11.07.2023, 13:39 in der ZVW Rems-Murr-Kreis
https://www.zvw.de/rems-murr-kreis/woran-erkennt-man-richtig-guten-kaffee-experte-aus-winnenden-erkl%C3%A4rt-worauf-es-ankommt_arid-679588

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